Ruhe
Im US-Bundesstaat Minnesota befindet sich laut Guinness-Buch
der Rekorde der stillste Raum der Welt. In diesem Zimmer hat es
bisher noch kein Mensch länger als 45min ausgehalten. Hier hört
man sein Herz schlagen und die Lunge atmen. Selbst das
Grummeln im Magen ist laut wahrnehmbar. Wenn wir uns
unterhalten, sind wir bei ungefähr 60 Dezibel. In der Nacht, wo
alle schlafen und es ganz ruhig ist, sind es noch 30 Dezibel. Im
stillsten Raum der Welt wurden dagegen minus neun Dezibel
gemessen. Keine gute Umgebung um zu leben, da wir uns im
Alltag über Geräusche orientieren. Für den Motorrad Hersteller
Harley Davidson allerdings optimal. Sie nutzen den Raum, um
den Sound ihrer Motorräder zu testen und zu optimieren. Auch
Hersteller von Waschmaschinen sind froh über den Raum der
Stille, wo sie die Geräusche ihrer Geräte versuchen zu reduzieren.
Ein Raum voller Ruhe und Stille. In diesem Extrembeispiel ein
lebensfeindliches Umfeld für uns. Im Alltag wünschen wir uns
allerdings häufiger solche Rückzugsorte der Ruhe. Wenn alles zu
viel wird. Der Partner oder die Kinder nerven. Die Arbeit
überhandzunehmen scheint. Trotz eines gesunden Lebensstiels,
Krankheit an die Tür klopft. Oder sich die Schlagzeilen in den
Nachrichten im Stundentakt überschlagen. Das unsere
Gesellschaft nach Ruhe lechzt, können wir an den zahlreichen
Angeboten sehen. Überall werden Meditation, Achtsamkeit oder
Klosterbesuche angepriesen. Bei den jüngeren Generationen gibt
es dann das Social-Media-Detox, das Fasten sozialer Medien wie
Facebook. Selbst der Jakobsweg hat in den letzten Jahren an
Popularität zugenommen.
Wir sehnen uns nach der Ursprünglichkeit. Zurück zur Natur.
Charles H. Spurgeon schreibt: „Wer das Summen der Bienen im
Heidekraut, das Girren der Tauben im Wald, den Gesang der
Vögel, das Rauschen des Bächleins, das Seufzen des Windes in
den Fichten vergisst, darf sich nicht wundern, wenn sein Herz den
Gesang verlernt und seine Seele düster wird.“ – Ich denke er hat
recht. In der Ruhe steckt für mich aber noch viel mehr. Frieden.
Glauben. Hören. Erst wenn wir still werden, können wir die
heiligen Momente erleben. Manchmal müssen wir sie wie einen
Gast einladen. Diese Ruhe lässt uns dann erkennen, was im Lärm
nicht wahrnehmbar ist. Doch gerade da können wir mit Gott
Gemeinschaft pflegen.
Unsere Zeit ist zerrüttet. Trauer, Wut und Verzweiflung sind
tagtägliche Gefühlszustände, denen wir ausgesetzt sind. Mir hilft
dabei ein Text von David: „Nur auf Gott vertraue ich und bin
ruhig.“ (Psalm 62,2) Bei Gott können wir Frieden finden und zur
Ruhe kommen. Das wünsche ich uns für jeden Tag.
Torsten Schramm
