Andachten
Die nachfolgenden Andachten laden zum Auftanken und näheren Beschäftigen mit dem Wort Gottes ein. Mindestens einmal im Monat gibt es an dieser Stelle einen neuen Text. Wir wünschen gute Erkenntnisse und Anregungen sowie viel Freude beim Darüber-Nachdenken.
Aktuelle Andacht
WestPost – FEBRUAR ’26
Loslassen vs. Zulassen
Als sich für eine alte Dame das Ende des Lebens näherte, bat sie
ihren Pfarrer: „Bitte, wenn ich sterbe und die Menschen zu
meinem Sarg kommen, möchte ich eine Gabel in der Hand
halten.“ Der Pfarrer war erstaunt: „Eine Gabel, wieso eine Gabel?
Wieso kein Kreuz, Sie sind doch so gläubig?“ – „Wissen Sie“,
antwortete die Frau, „wenn ich irgendwo zum Essen eingeladen
bin, und nach einem Gang heißt es: Die Gabel können Sie
behalten, dann weiß ich: Das Beste kommt noch!“
Viele von euch kennen bestimmt diese Anekdote. Eine schöne
Erzählung, die uns verdeutlicht, wie sehr wir uns auf das freuen
können, was da noch kommt. Andererseits zeigt uns die
Geschichte auch, wie schwer es doch ist loszulassen. Das
Loslassen der Gegenwart und sich vollkommen einlassen auf das,
was uns Gott versprochen hat. Heutzutage ist loslassen zum
Trend geworden. Im Buddhismus lässt du alles hinter dir, um das
Nirvana zu erreichen.
Der Minimalismus verlangt die Reduzierung auf das Wesentliche
und einen geringen Konsum. Veganer verzichten auf tierische
Produkte, für eine gesündere Ernährung und das Tierwohl. Die
Kinder soll man ziehen lassen. Genauso auch den geliebten
Menschen auf dem Sterbebett. Doch auch wenn es zum Trend
geworden ist, das Loslassen, es erscheint mir nicht als leicht. Alles
hinter sich zu lassen und Abstand zu dem zu gewinnen, was
einem wichtig und wertvoll geworden ist, irgendwie
herzzerreißend.
Hiob ist uns an dieser Stelle ein Vorbild. Jemand, der das
Loslassen gelernt und angenommen hat. In Hiob 1,21 stehen die
weltbekannten Worte: „Der HERR hat’s gegeben, der HERR hat’s
genommen. Der Name des HERRN sei gelobt!“ (BB) Das Wort
loslassen, kommt im deutschen Sprachgebrauch eigentlich von
dem Wort Gelassenheit und meint etwas auf sich zukommen zu
lassen. Also eine passivere Haltung.
Vielleicht müsste man Hiobs Annahme der Ereignisse hier eher
mit dem Wort zulassen beschreiben. Wenn wir heute vom
Loslassen sprechen, denken wir an eine aktive Tätigkeit. Aber so,
wie Hiob es hier beschreibt, dürfen wir Gott walten lassen und
das Leben zulassen. Wir können wie die Dame in der Geschichte,
die Gabel in der Hand halten, weil das Beste ja noch kommt. Ich
wünsche uns allen die Gelassenheit, das Leben auf uns
zukommen zu lassen.
Torsten Schramm
Willkommen in 2026
Jeremia 4, 3: „Denn so spricht der HERR zu denen in Juda und zu Jerusalem: Pflüget ein Neues und säet nicht unter die Dornen! “ —-
Willkommen im Jahr 2026! Wie ein unbeschriebenes Blatt liegt es vor uns. Als ich heute vor genau sechzig Jahren getauft wurde, war ich entschlossen, die neue Seite meines
Lebensbuchs sauber und fehlerfrei zu halten. Ich fühlte mich wie neugeboren. Doch die Realität holte mich schnell wieder ein. Solche Erfahrungen veranlassen manche, auf gute Vorsätze zum neuen Jahr zu verzichten, um nicht enttäuscht zu werden.
Auf der anderen Seite gehören zum Leben Neuanfänge dazu. Wir wollen Altes hinter uns lassen, aus dem gewohnten Trott ausbrechen, Neues wagen. Heute bietet sich nicht die erste und wohl auch nicht die letzte Gelegenheit dazu, aber die beste. Es ist Zeit für einen Neustart. So denkt Gott offenbar auch. „Nehmt Neuland unter den Pflug und sät nicht in die Dornen!“, formuliert die Einheitsübersetzung.
Nach siebzigjährigem Exil war die Hoffnung des Volkes auf eine Rückkehr am Nullpunkt angelangt. Durch den Propheten Jesaja ließ Gott ihm sagen: „Denkt nicht an das, was früher war, und was vormals war – kümmert euch nicht darum. Seht, ich schaffe Neues, schon sprießt es, erkennt ihr es nicht? Ja, durch die Wüste lege ich einen Weg und Flüsse durch die Einöde“ (Jes 43,18–19 ZB). Das Volk kehrte nach Hause zurück!
Dass Gott Neues schafft, ist nichts Neues. Er tut es ständig. Schließlich ist er der Schöpfer und gewohnt, toten Dingen Leben einzuhauchen und Kraftloses zu beleben. Auf diese Weise könnte das Jahr 2025 zu einem guten, vielleicht sogar zu einem außergewöhnlichen Jahr werden. Geben wir ihm die Chance!
Herr, ich will neu beginnen mit dir, will neu deine Wege gehn! Schaffe du neues Leben in mir, lass mich deine Wahrheit sehn!
Prüfe mich, Gott, erforsche mein Herz, du weißt, wie es um mich steht. Du kennst mein Sehnen, kennst meinen Schmerz; weißt immer, wie’s mir ergeht.
Komm in mein Leben, zeig deine Macht, erwecke, was kalt ist und starr. Rüste mich aus mit neuer Kraft, entzünde dein Feuer in mir!
Herr, ich darf neu beginnen mit dir, darf neu deine Liebe spürn. Du wirst mich leiten, du gehst mit mir, wirst mich deine Wege führn. (ghs 185)
Text: Rolf Pöhler
© Advent-Verlag Lüneburg – mit freundlicher Genehmigung
